Warum Pferde longieren?

Warum Pferde longieren?

Longieren ist weit mehr als das Pferd nur im Kreis an der langen Leine laufen zu lassen. Es ist ein super Tool um das Pferd ohne Reitergewicht zu gymnastizieren, Muskeln aufzubauen und die Koordination zu schulen. Vor allem würde ich es für junge, unausbalancierte oder wenig bemuskelte Pferde empfehlen. Natürlich gehört es auch für gut ausgebildete Pferde dazu, um ein bisschen Abwechslung in den Trainingsalltag zu bringen. Tempounterschiede, Bahnfiguren, Übertreten lassen, Stellung und Biegung lassen sich super an der „langen Leine“ erarbeiten und auch im Bezug auf Stangen sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Ein weiterer Aspekt ist die Schiefenkorrektur, welche das Hauptziel jeden Trainings sein sollte. Wichtig für mich, ich longiere ausschließlich mit Kappzaum und ohne Hilfszügel. Wenn man natürlich mit der Doppellonge longiert, sieht das Equipment etwas anders aus.

Das Kappzaum

Schon die alten Meister haben für die Ausbildung der Pferde auf den Kappzaum zurückgegriffen, es ist also nicht wie so vieles in der Pferdewelt ein Modetrend. Der Kappzaum gehört zu den gebisslosen Zäumungen und charakterisiert sich durch drei Ringe am Nasenriemen. Mittlerweile gibt es auch hier schon viele verschiedene Varianten aus Nylon, Biothane, mit Eisenketten oder Metallteilen im Nasenriemen. Klar auch hier gibt es schärfere Varianten, die bei falscher Einwirkung auch zu Verletzungen führen können. Wie bei Allem kommt es immer darauf an wie es eingesetzt wird. Im Gegensatz zum Longieren mit Gebiss wird in erster Linie das sensible Pferdemaul geschont und man hat eine direkte Verbindung zur Pferdenase, da die Longe im mittleren der der Ringe eingehängt wird. Durch die seitliche Einwirkung auf die Nase wirkt man auch gleichzeitig auf das Genick und die äußere Muskelkette ein. Dadurch kann die Längsbiegung verbessert, eine korrekte Dehnungshaltung sowie Stellung und Biegung und ein aktiver Rücken erarbeitet werden. Das gebisslose Zaum eignet sich auch hervorragend für die Bodenarbeit und ist auch zum Reiten geeignet.

Das „Wundermittel“ Stangen

Sie stärken die Rückentätigkeit, aktivieren die Hinterhand, verbessern das Anheben der Vorder- und Hinterbeine, fordern die Koordination, erhöhen die Trittsicherheit, festigen den Takt, fördern das Untertreten und mobilisieren zu guter Letzt das Becken, den Rücken sowie die Schultern. Also mal ganz ehrlich was können Stangen denn eigentlich nicht?? Spaß beiseite, Stangen sind ein super Hilfsmittel und sollten regelmäßig im Training eingesetzt werden. Beim Longieren zum Beispiel. Hier lassen sich viele verschiedene Formen legen mit unterschiedlichen positiven Trainingseffekten für das Pferd, neben den schon oben genannten.

Hier ein paar Stangenformationen und ihre positiven Effeke:

Trabstangen mit regelmäßgem Abstand

Zwar keine der spektakulärsten Formen – dennoch viele Vorteile. Sie verbessern die Symmetrie der Trittlänge, da der Abstand immer gleiche ist. Diesen muss man natürlich individuell an jedes Pferd anpassen. Für meinen Araber nutze ich 4 ½ Fußlängen, für das Pony mache ich den Abstand immer etwas kleiner. Funktioniert das schon gut kann man die Stangen langsam weiter auseinanderlegen, um mehr Raumgriff und eine längere Schwebephase zu gewinnen. Möchte man das ganze etwas aufpeppen, einfach die Stangen wie auf dem zweiten Bild abwechselnd erhöhen. Das schult wiederum die Koordination sowie die Konzentration und den Pferden wird bestimmt nicht langweilig.

Der Fächer

Möchte ich, dass das Pferd aufmerksamer ist und trotzdem die Vorteile der Stangenarbeit „genießen“ darf, ist der Fächer super dafür geeignet. Durch die unterschiedlichen Abstände muss das Pferd mit der Aufmerksamkeit immer dabei sein und sich selbst den besten Weg suchen. Beim Auflegen muss man auch gar nicht so penibel auf die Abstände achten. Ich schaue immer, dass es ein gleichmäßiger Fächer wird. Bei der Arbeit lasse ich das Pferd dann auch mal weiter vorne für verkürzte Tritte oder weiter hinten für mehr Raumgriff im Schritt und im Trab gehen. Ist das Pferd schon ein Fächer-Profi, kann man auch hier das Ganze etwas schwieriger mit erhöhten Stangen gestalten.

Das Dreieck

Das Dreieck ist eine Form die, die meisten von euch vielleicht noch nicht kennen. Der Vorteil ist, ich kann in allen Gangarten drüber longieren. Das Dreieck wird in eine Richtung aufgebaut und bleibt dann aber liegen, d.h. ich muss es nicht umlegen, wenn ich einen Handwechsel mache. Ziel ist es, dass das Pferd mit dem inneren der Hinterbeine als erstes in das Dreieck steigt, umso mehr Last auf dem Bein aufzunehmen und weiter unter den Schwerpunkt zu treten. Da das Pferd aber von selbst darauf kommen muss, einfach so oft rübergehen lassen bis es selbst merkt, dass es einfacher ist mit dem inneren Hinterbein zuerst hineinzusteigen. Keine Sorge, die meisten Pferde haben den Geistesblitz recht schnell. Ich würde aber trotzdem zuerst mal langsam im Schritt anfangen und wenn das gut funktioniert in höhere Gangarten übergehen.

Die Dualgasse

Gerne baue ich in der Longenarbeit auch immer wieder Dualgassen ein. Entweder eine einzelne als Ergänzung auf der gegenüberliegenden Seite z.B. zu einem Cavaletti oder Trabstangen oder vier als Quadratvolte für die Equikinetic. In der Gasse müssen sich die Pferde geraderichten und davor bzw. danach kann man sie gut stellen.

Ein tolles Buch zum Thema Longieren, welches ich hierfür nur empfehlen kann, ist: „Rückentraining mit dem Kappzaum“ von Kirsten Jung. Super erklärt mit vielen hilfreichen Tipps und Informationen.

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